Dr. Max Gasser

Wegbereiter der Luftbildmessung 

Am 2. Februar 1872 wurde Dr. Max Gasser in der Sulzberger Aleuthe-Mühle geboren. 1875 brach ein Damm an der Mühle, worauf die Familie in die Schwerbelmühle bei Prem am Lech zog. Später verlegte man den Wohnsitz nach München. Dort absolvierte Dr. Gasser das Luitpold-Gymnasium, das in Einstein-Gymnasium zum Gedenken an Albert Einstein, der diese Schule besucht hatte, umbenannt wurde. 

Von 1892 — 1896 studierte Max Gasser Vermessungswesen an der Technischen Hochschule München mit dem Abschluss zum Diplomingenieur. Ab 1900 war er am Geodätischen Institut der TH München beschäftigt und promovierte 1903 zum Dr.-Ing. Auf Anforderung der Technischen Hochschule Darmstadt habilitierte sich Dr. Gasser 1907 für Geodäsie und astronomische Ortsbestimmungen. Ab 1909 war er neben seiner Dozentur an der TH Darmstadt Chefingenieur bei der Optischen Firma Hahn Kassel. Er kam dort mit Graf Ferdinand Zeppelin in Kontakt und konnte am ersten Kartenversuchsflug mit dem Zeppelin Luftschiff III teilnehmen. 1909 gründete Dr. Gasser die Sektion Deutschland der Internationalen Gesellschaft für Photogrammetrie, die ihn 1936 zum Ehrenmitglied ernannte. Sein Heimatort Sulzberg blieb für ihn ein Ruhepol, an dem er gerne bei Verwandten und Freunden entspannte. 

Wenn wir heute Google Earth oder ähnliche digitale Geländeansichten betrachten, dann führt diese Entwicklung auf die grundlegenden Forschungsarbeiten von Dr. Max Gasser zurück. Vor über 100 Jahren gelang es dem Allgäuer Tüftler, aus Luftbildern Stereomodelle zu erzeugen. Die mit der „Gasser-Methode" gewonnenen realistischen Geländeansichten ließen sich extern betrachten und mit einer von Dr. Gasser ersonnenen Apparatur in maßstabsgetreue Karten umsetzen. Der Sulzberger hatte dazu eine Reihe von Patenten erwirkt. 

Dr. Max Gasser war ein echter Allgäuer, der sich nicht alles gefallen ließ. Er pochte auf seine Patente, die in den Wirren des 1. Weltkrieges und auch danach missachtet worden waren. Das verbitterte ihn so sehr, dass er sich hilfesuchend an Albert Einstein wandte, den er wohl von seiner Schulzeit in München her kannte. In einem Gerichtsurteil bekam er schließlich Recht. Wie manch anderem Erfinder fehlte ihm der nötige Geschäftssinn; er machte keinen Gewinn mit seinen Patenten. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, war er gar auf das Armenrecht angewiesen. Dr. Max Gasser starb am 28.04.1954 in München, wo er im Pasinger Friedhof seine letzte Ruhestätte fand. 

Kempten, 23.03.2026 

Prof. Günter Nagel 
Ehemaliger Präsident des Bayerischen Landesamtes für Vermessung und Geoinformation 

Der Kerzenversuch – ein Prinzip der räumlichen Vermessung

Mit seinem Kerzenversuch veranschaulichte Max Gasser ein grundlegendes Prinzip der Photogrammetrie: die Bestimmung von Lage und Höhe eines Punktes durch die Überlagerung zweier Projektionen.

Zwei Lichtquellen übernehmen dabei die Rolle unterschiedlicher Beobachtungsstandorte. Ihre Strahlen machen sichtbar, wie sich aus zwei Perspektiven die räumliche Position eines Objekts bestimmen lässt.

Der Versuch verdeutlicht auf anschauliche Weise die geometrischen Grundlagen von Gassers Arbeit. Er steht beispielhaft für seinen Erfindergeist und seinen Beitrag zur Weiterentwicklung der photogrammetrischen Vermessungstechnik.

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